Wunndebaa, wunn-de-baa!
von Jürgen Klammer

Die Fünf Stichlinge vom Theater Cottbus – die Geschichte eines fast vergessenen Kabaretts

Preis: 9 €*

selbstironieverlag 2021. Das Buch enthält Abbildungen und Kurz-Biografien der Schauspieler. Format 140 x 210 mm. 72 Seiten

Vorwort:

Oft bedarf es lediglich eines zufälligen Anstoßes von außen, und schon entwickelt sich aus einer bereits seit längerem diskutierten Idee eine handfeste Initiative, die mitunter zu einem bemerkenswerten künstlerischen Ergebnis führt. So fanden sich in den 1950er Auf- und Umbruchjahren der noch jungen Republik im Osten Deutschlands, in Cottbus, der größten Stadt inmitten der ansonsten provinziellen Lausitz, fünf Theaterleute zu einem politisch-satirischen Kabarett zusammen. Ein kulturell interessierter und neuen Ideen aufgeschlossener Funktionär der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, der vorrangig auf das Studium der sowjetischen Errungenschaften ausgerichteten Massenorganisation, brachte in Gang, was sich wenige Wochen später als durchaus anspruchsvolles Satireunternehmen erweisen sollte – das Kabarett Die Fünf Stichlinge.

 

Zwei Frauen und drei Männer, alle zwischen zwanzig und dreißig, und alle in ihrem ersten oder zweiten Engagement, erkannten für sich den neuen Reiz der von ihrer großen Theaterbühne so unterschiedlichen Brettlkunst. Befeuert durch ein humorhungriges Publikum und eine begeisterte Presse zogen die fünf jungen Schauspieler an ihren spielfreien Tagen durch Kleinstädte und Dörfer der Lausitz. Dort offerierten sie in neu hergerichteten und heruntergekommenen Kulturhäusern, in gehobenen und in vorrangig dem Alkoholkonsum dienenden Dorfkneipen einem durchaus aufgeschlossenen Publikum bemerkenswert große Kleinkunst. 

 

Es waren kabarettarme Zeiten damals. Wenn überhaupt Kleinkunst, dann wurde auf den Bühnen des Landes neben Theateraufführungen bestenfalls billige Unterhaltung präsentiert. Der staatliche Deutsche Veranstaltungsdienst stellte sogenannte Bunte Programme zusammen und schickte Künstler der Heiteren Muse in die kleinen und großen Säle der Republik. Zahlreiche Musiker, Sänger, Tänzer und Humoristen verdienten sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt. Daneben sollten einige wenige vom Veranstaltungsdienst beauftragte und finanzierte Reise-Kabaretts die politische Erziehung der Bevölkerung außerhalb der größeren Städte übernehmen, was jedoch, weil staatlich beauftragt und inhaltlich kontrolliert, nur spärlich gelang.

 

Die Fünf Stichlinge vom Theater Cottbus agierten außerhalb dieser staatlich organisierten Unterhaltungskunst. Inhaltlich weitgehend unabhängig entwickelte sich die kabarettistische Arbeit der experimentierfreudigen Schauspieler um Walter Niklaus aus dem persönlichen Bedürfnis, sich mit den Ereignissen ihrer Zeit auseinanderzusetzen. Dabei bedienten sie sich geschickt des notwendigen organisatorischen Rahmens eines offiziellen „staatlichen Trägers“. Mit ihrem nahezu eigenständigen Wirken hoben sie sich deutlich ab von den Ensembles der Unterhaltungskunst, die in den ersten DDR-Jahren unterwegs waren. 

 

Es ist erstaunlich, dass dieses Verdienst der engagierten Schauspieler in bisher keiner Publikation ausführlich gewürdigt worden ist. Umso dankbarer ist der Autor, dass die beiden einzigen heute noch lebenden Stichlinge, Ellen Tiedtke und Walter Niklaus, ihm als erinnernde Gesprächspartner zur Verfügung standen. Und es ist faszinierend, mit welchen Details sie über ihre damaligen Erlebnisse als nebenbei-kabarettelende Schauspieler berichten und damit gleichzeitig, mehr unbewusst als bewusst, ein Stück kulturpolitische Zeitgeschichte vermitteln. Somit ergab es sich für den Autor nahezu zwingend, die Geschichte der Fünf Stichlinge aus Cottbus aufzuzeichnen und sie somit vor dem Vergessen zu bewahren. 

 

Die ersten Jahre nach Gründung der Republik im Osten Deutschlands waren geprägt durch hoffnungsvolle Aufbruchstimmung einerseits und ernüchternde Enttäuschung andererseits. Ihren Höhepunkt erreichte die sich daraus ergebende Spannung mit den Ereignissen um den Volksaufstand im Juni 1953. Dem weniger mit dem politischen und kulturellen Hintergrund dieser Zeit vertrauten Leser wird in drei eigenständigen Abschnitten ein kurzer Einblick in die bewegenden Jahre ostdeutscher Vergangenheit gegeben. Wer sich jedoch von den unmittelbaren Erlebnissen der fünf schauspielernden Kabarettisten treiben lassen möchte, kann diese zeithistorischen Einschübe überblättern. Gelesen werden sollten jedoch unbedingt die im Anhang befindlichen Kurzbiografien der beteiligten Schauspieler. Nahezu alle haben nach ihrer Zeit in Cottbus eine durchaus bemerkenswerte künstlerische Entwicklung genommen. Insoweit ist es auch im Nachhinein interessant, wie, wo und vor allem unter welchen Umständen bei ihnen alles einmal begann.

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